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Projekt zur Gesundheitsförderung
in Kindertagesstätten und Horten

Synergieeffekte für gesunde Lebensweise

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Konflikte lösen im Kindergartenalltag



Konfliktanalyse


"Frau Berger, der hat mir das Auto weggenommen!" jammert Jan schon zum dritten Mal. Paul erwidert lauthals: "Das ist mein Auto!" und schubst Jan kräftig zur Seite. So geht das schon seit Tagen zwischen den beiden. Aber auch Anne und Martin raufen sich in der Bauecke und Ein anstrengender Vormittag liegt hinter Frau Berger, denn so ging es fast ohne Unterbrechung. Streitigkeiten, nicht nur zwischen Jan und Paul, sind zur Zeit an der Tagesordnung. Wegen scheinbarer Belanglosigkeiten geraten die Kinder ständig aneinander und häufig fliegen dann auch bald die Fetzen. Weil es so nicht weitergehen kann, reflektiert Frau Berger die Situation.

Am Anfang steht die Analyse, das heißt, die Konflikte zunächst genau zu betrachten und nach Ursachen und Zusammenhängen zu suchen. Frau Berger überlegt: Am vergangenen Wochenende regnete es viel. Die meisten Kinder verbrachten vermutlich einige Zeit vor dem Fernseher und sind deshalb vielleicht unausgeglichen. Jan und Paul können sich offensichtlich nicht "riechen", was könnte dahinter stecken? Die Fortbildung einer Kollegin zog zusätzlich einige Ressourcen ab. Auch im Team gab es in letzter Zeit Veränderungen, was Auswirkungen haben könnte. Die Umbauten im Kindergarten sorgen außerdem zeitweise für Unruhe. Frau Berger hinterfragt zusätzlich ihre persönliche Situation im Hinblick auf die privaten Belastungen mit ihrer kranken Tochter.

In die Konfliktbearbeitung muss zunächst die Situation der eigenen Gruppe und dann die der Organisation, also des ganzen Kindergartens, einbezogen werden. Auch externe Ereignisse sind zu berücksichtigen. Durch eine eingehende Analyse ergeben sich manchmal schon erste Anhaltspunkte für einfache organisatorische Änderungen im Ablauf des Gruppenlebens oder des Kindergartenalltags, die zur Konfliktlösung beitragen.

Nach dieser Analyse und der persönlichen Klärung hat Frau Berger eine gewisse Distanz zur aggressiven Stimmung in ihrer Gruppe gefunden. Mit Hilfe der Mediation macht sie sich an die Arbeit.

Phasen der Konfliktlösung

1. Definition des Problems


Zunächst ist genügend Zeit einzuplanen, denn Mediation ist keine "Hauruck-Methode". Eine Atmosphäre, in der sich alle wohl fühlen, lässt die Kinder leichter mit der Situation umgehen. Frau Berger wählt für ihren ersten Mediationsversuch mit Jan und Paul einen separaten Raum. Zunächst erklärt sie den Jungen ihre Funktion innerhalb dieses gemeinsamen Gespräches und die Grund-regeln, an die sich alle zu halten haben: sich gegenseitig zuzuhören, sich nicht zu unterbrechen, den anderen nicht zu beleidigen oder tätlich anzugreifen. Sie macht klar, dass nicht sie selbst die Schwierigkeiten lösen wird, sondern dass sich die Kinder mit ihrer Hilfe selbst eine Lösung überlegen müssen. Keiner soll dabei benachteiligt werden, jeder kann Fragen stellen und sagen, was er denkt und fühlt. Auf das gegenseitige Zuhören kommt es besonders an. Die Kinder reagieren zunächst erstaunt, fühlen sich aber ernst genommen, denn sie werden als gleichwertige Gesprächspartner akzeptiert und tragen die Verantwortung für sich selbst und die Situation.

2. Standpunkte der einzelnen Konfliktparteien


Nun werden die Kinder ermuntert zu schildern, wie sie die Situation sehen. Frau Berger achtet besonders auf neue Aspekte, die sie bisher noch nicht erfahren hat.

Zunächst wendet sie sich jeweils einem Kind zu und regt durch Nachfragen zu genauer Beschrei-bung an: "Wie war das mit dem Auto?" Sie spiegelt die Aussagen und benennt wichtige Punkte: "Du meinst also, weil du das Auto zuerst hattest, kannst du auch bestimmen, wer mitspielen darf?" Haben beide Parteien ihre Schilderungen beendet, fasst Frau Berger die Ausführungen eines jeden Kindes zusammen, unterstreicht Gemeinsamkeiten und arbeitet neue Informationen heraus. Die Aussagen werden "gespiegelt", um sicher zu gehen, dass auch alles richtig verstanden wurde: "Für jeden von euch bedeutet das Auto also etwas Besonderes. Du Jan willst es, weil du es zuerst hattest, und du Paul möchtest unbedingt damit spielen, weil du so ein Auto zu Hause nicht hast." Die einzelnen Positionen werden klarer und dadurch Abgrenzungen deutlicher.

3. Konflikterhellung


Jetzt geht es darum, Gefühle wie Wut, Ärger und Enttäuschung zuzu-lassen, um die Hintergründe des Problems zu beleuchten.

Frau Berger bedient sich der Methode des "aktiven Zuhörens", bei der sie als Zuhörerin die Botschaften des Kindes wiederholt, um ihm damit zu zeigen, dass es verstanden und akzeptiert wird und dass sie ihm helfen will. Das aktive Zuhören hilft den Kindern, ihre Situation zu klären, näher zur eigentlichen Ursache vorzudringen und zweit-rangige Probleme zu ignorieren. Es bringt die Kinder dazu, über das zu sprechen, was sie wirklich belastet, was ihnen vielleicht bis zu diesem Moment noch nicht klar war. "Du bist ganz traurig, weil du so ein schönes Auto nicht hast, aber auch wütend, weil Erhard so viele tolle Spielsachen hat." Oder "Du lässt Jan nicht mitspielen, weil du wütend bist, wenn er immer bestimmen will und du Angst hast, weil er so stark ist." Nachdem die Gefühle ausgesprochen sind, besteht eine Basis, über eine mögliche Lösung zu sprechen.

4. Problemlösung


Nach der Definition des Problems werden die Kinder ermuntert, verschiedene Lösungen vorzu-schlagen. Zu diesem Zeitpunkt erfolgt nur die Sammlung, noch keine Wertung oder Begründung. Frau Berger schreibt alle Vorschläge der Kinder auf. Erst in der nächsten Phase ist herauszufinden, welche Vorschläge gut oder weniger gut geeignet sind, das Problem zu lösen. Frau Berger hilft lediglich, die Vor- oder Nachteile einer Lösung zu beleuchten. Gemeinsam wird das Für und Wider erörtert, um dann negativ bewertete Vorschläge zu streichen. Dann folgen eingehende Begründungen oder Analysen, um zur bestmöglichen Lösung zu gelangen

5. Vereinbarung


In dieser Phase wird gemeinsam entschieden, welche Lösung in Frage kommt. Alle Beteiligten müssen zustimmen. Auch die Realisierung der Entscheidung sollte klar formuliert werden, da das ganze Vorgehen unter Umständen sonst nicht zu einem positiven Ergebnis führt. Besonders Kindergartenkinder benötigen hierbei zu Beginn noch Hilfestellung und Orientierung. Die Konfliktparteien werden nun um die Umsetzung der Lösung ernsthaft bemüht sein. Sie haben sie schließlich selbst erarbeitet. Um zu überprüfen, ob die getroffene Vereinbarung für alle Beteiligten zufriedenstellend ist oder ob sie vielleicht abgeändert werden muss, kann mit den Kindern gleich ein weiteres Gespräch vereinbart werden

6.Überprüfung


Nach ein paar Tagen können sich die Konfliktparteien wieder zu-sammenfinden, um zu besprechen, ob alle noch mit der Lösung zufrieden sind. Dieser Schritt ist nicht immer not-wendig, kann jedoch sinnvoll sein, um weiteren Konfliktsituationen vorzubeugen.


geschrieben / geändert am : 28.04.2009

 
 
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